Schweiz und Fürstentum Liechtenstein moreIn: Survey of Numismatic Research 2002–2007, General Editors: Michel Amandry, Donal Bateson, Glasgow 2009 (International Association of Professional Numismatists, Special Publication 15), pp. 334–342. |
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SCHWEIZ UND FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN
Benedikt Zäch Der Literaturbericht umfasst das Gebiet der heutigen Schweiz sowie das Fürstentum Liechtenstein. Der beschränkte Platz zwang zu einer strikten Auswahl, der vor allem kleinere Beiträge und auch Publikationen zu Münzfunden zum Opfer fielen. Dafür sei auf die unten angeführten Bibliographien verwiesen. Bibliographie, Allgemeines Das numismatische Schrifttum wurde bis 2005 jährlich in der Bibliographie zur Schweizer Kunst (9) erfasst, die der Numismatik seit 1979 ein eigenes Kapitel widmete. Die Bibliographie ist mit Band 26, 2002/2003 (Zürich, 2005) im Rahmen einer Reorganisation eingestellt worden; auch die Datenbank mit über 15'000 seit 1995 erfassten Titeln wurde inzwischen abgeschaltet. Als Ersatz dient seit 2005 die in den Schweizer Münzblättern ab 1996 als Auswahl veröffentlichte Zusammenstellung von Publikationen von ZÄCH (108), die auch online zugänglich ist (www.numisuisse.org). Das seit 1993 ebenfalls jährlich erscheinende Bulletin IFS (13) erfasst weiterhin mit grosser Vollständigkeit die Literatur zu Münzfunden und neue Münzfunde. Die beiden wichtigsten Zeitschriften werden von der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft herausgegeben; obwohl international ausgerichtet, widmen sie sich stark schweizerischen Themen: die Schweizerische Numismatische Rundschau/Revue Suisse de Numismatique (jährlich) (vgl. 3, 11, 29, 32, 40, 47, 48, 60, 62, 79, 84, 102, 107) und die Schweizer Münzblätter/Gazette Numismatique Suisse (vierteljährlich) (vgl. 5, 6, 14, 21, 27, 36, 38, 46, 48, 55, 57, 59, 61, 65, 70, 82, 83, 90, 94, 100, 101, 104, 108). Bei den Sammlerzeitschriften mit Fachartikeln bringt die Numis-Post & HMZ regelmässig kleinere Beiträge zu schweizerischen Themen (vgl. 1, 31, 69, 71–75, 111, 113). Daneben nimmt die Hauszeitschrift des Musée monétaire cantonal in Lausanne Beiträge zur Westschweiz auf (vgl. 7, 52, 80, 86, 88). Die Erforschung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Münz- und Geldgeschichte der Schweiz wurde in der Berichtsperiode geprägt durch bedeutende Fundvorlagen und zahlreiche Untersuchungen zum Geldumlauf in der Schweiz, neue Bestimmungswerke und Sammlerkataloge sowie eine ganze Reihe von Beiträgen zur Sammlungsund Wissenschaftsgeschichte. Museen und Sammlungen, Wissenschaftsgeschichte Die numismatische Ausstellungstätigkeit belebte sich merklich. Neben dem Münzkabinett Winterthur, das unter anderem 2006/2007 einen Überblick über die wichtigen Münzfunde des Früh- und Hochmittelalters gab (111), traten weitere Münzsammlungen mit Ausstellungen hervor. Das Musée monétaire cantonal in Lausanne veröffentlichte einen Katalog zur neuen Dauerausstellung (16) und für das Moneymuseum schrieb KAMPMANN (58) eine Begleitpublikation zu einer Ausstellung im Museum Bärengasse in Zürich. MUHLEMANN (80) legte in mehreren Beiträgen die (eher kleinen Bestände an) Bünder Münzen in der Lausanner Sammlung mit ausführlicher Kommentierung vor. GOTTSCHALL (54) vermittelte einen ersten Überblick über die Münzsammlung des Fricktaler Museums in Rheinfelden und DOSWALD (33) über die Münzsammlung in der Burg Zug. Die Münzsammlung im Museum Allerheiligen in Schaffhausen wird seit gut 15 Jahren mit Hilfe der Sturzenegger-Stiftung stark ausgebaut wird; eine der Erwerbungen stellt WYPRÄCHTIGER (100) vor. Im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft (SNG) 2004 wurden nicht weniger als zehn kleine Artikel zu weiteren kleineren oder weniger bekannten Sammlungen publiziert und «Hauptstücke» aus diesen Sammlungen präsentiert (1). Dasselbe Jubiläum war der Anlass für ein Kolloquium zur Geschichte der Numismatik in der Schweiz, von dem drei Vorträge veröffentlicht wurden: VON KAENEL (57) erinnerte an die methodische Weichenstellung des Griechischen Münzerks von Theodor Mommsen und Friedrich Imhoof-Blumer, und CAMPAGNOLO (14) an die «Genfer Jahre» der SNG, während HURTER und DIVO (55) einen Abriss der Geschichte des Münzhandels in der Schweiz boten, dessen letzten vierzig Jahre beide als Zeitzeugen erlebten.
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Numismatik wird durch einzelne Personen geprägt und deshalb ist – auch in der Schweiz – das Gedenken an Verstorbene immer auch ein kleines Stück Geschichtsschreibung (48). An der Erinnerung einzelner Personen hängt auch gerade die in der Regel auf orale Überlieferung besonders angewiesene Geschichte des Münzhandels (31). Das gilt auch für die frühe Wissenschaftsgeschichte der Numismatik in der Schweiz im 16. Jahrhundert: ZÄCH beschäftigte sich anhand des Polyhistors und Politikers Aegidius Tschudi (103) und des St. Galler Reformators und Humanisten Vadian/Joachim von Watt (110) mit zwei unterschiedlichen Zugangsweisen zur Numismatik in einer Pionierphase des Fachs zur Zeit von Guillaume Budé und Hubert Goltzius. LORY (69) erinnerte an Gottlieb Emanuel von Haller (1735–1786), der den ersten umfassenden Katalog schweizerischer Münzen verfasste. Ebenfalls ein Jubiläum war für den Circolo Numismatico Ticinese die Gelegenheit, einen Nachdruck von Arbeiten zur Tessiner Numismatik (17) zu veranstalten, der mit ein paar Originalarbeiten angereichert wurde. Auf das 100-Jahr-Jubiläum der Eidgenössischen Münzstätte in Bern veröffentlichten BILFINGER und KOCH (10) einen Kunstführer zum Gebäude, das 1856 als Münzstätte gebaut und künstlerisch ausgestaltet worden war. Münz- und Geldgeschichte Auf verschiedenen Gebieten erschienen neue Bestimmungswerke. Für Sammler ist der Neue HMZ-Katalog von KUNZMANN und RICHTER (66) gedacht; er wird aber weit über Sammlerkreise hinaus verwendet werden – trotz fehlender Nachweise und obwohl er weder Literaturzitate enthält noch Begründungen für Zuweisungen gibt –, weil es der einzige Katalog ist, der alle Epochen der Schweizer Münzgeschichte (und vor allem das Mittelalter) abdeckt. Zugleich erinnert das Werk daran, wie drängend die Erarbeitung neuer umfassender Kataloge vor allem für das Mittelalter und die frühe Neuzeit ist. Obschon keine grösseren Arbeiten zur Münz- und Geldgeschichte erschienen, so ist doch auf das rasch (ein Band pro Jahr) erscheinende «Historische Lexikon der Schweiz» zu verweisen, das zahlreiche vorzügliche Artikel zur Münz- und Geldgeschichte enthält (längere Artikel: 63, 85) und damit ein vorzüglicher Vermittler numismatischen Grundwissens an breite historische interessierte Kreise ist. Die jeweils ein Jahrhundert Berner Geschichte behandelnden, monumentalen Bände der Monographienreihe «Berner Zeiten» enthält in jedem Band auch Beiträge zur Münzgeschichte (50, 51) und hebt sich damit wohltuend von neueren Kantonsgeschichten ab, die in der Regel die Geldgeschichte ausblenden. Auf der anderen Seite gibt es historische Arbeiten, die von der Numismatik gern übersehen werden, weil ihre münzgeschichtliche Relevanz nicht auf Anhieb erkennbar ist. Hier seien nur drei Beispiele dafür angeführt (67), zwei Untersuchungen zur Schaffhauser Finanz- und Ämtergeschichte von LANDOLT und SCHULTHEISS und ein Werk zum frühen Republikanismus in der Schweiz von MAISSEN. Eine neues Handbuch zur frühmittelalterlichen Archäologie der Schweiz enthält zwei Beiträge von WINDLER (99) zur Münzgeschichte und zu den Münzen als Fundobjekte. Als Resultat eines grösseren Forschungsprojekts mit umfangreichen Analysereihen von mittelalterlichen und islamischen Münzen aus Bergbauregionen veröffentlichte MATZKE nicht nur die Analyseresultate (77), sondern auch einen Versuch (78), die Münzprägung des mittelalterlichen Breisgaus und des Oberrheingebiets neu zu ordnen, einerseits auf Grund der Analysen, andererseits vor allem mit Hilfe von Fundvorkommen; damit ist eine neue Basis für die weiterführende Diskussion gelegt. Aus demselben Projekt ging eine Arbeit von Breyvogel (12) hervor, die neben dem eigentlichen Thema reiches Material für die mittelalterliche Münzgeschichte des Oberrheingebiets bereitstellt. In kleineren Beiträge widmeten sich RIGHETTI (88) einem neuen frühmittelalterlichen Trienstyp von Avenches, AMBÜHL dem Nominalsystem der Sittener Münzprägung am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit (6) und versuchte eine neue Datierung der immobilisierten Denare des 11./12.–14. Jahrhunderts von St-Maurice (7), RAEMY TOURNELLE (86) behandelte zwei Episoden der bischöflich-lausannischen Münzprägung des 12./13. Jahrhunderts, ZÄCH dem Beginn der Münzprägung der Stadt St. Gallen (101), WYPRÄCHTIGER (100) einen Schaffhauser Batzen von 1525, DOSWALD die ersten und die letzten Münzmeister von Zug (34), KLEIN (59) einen süddeutschen Fund von Churer Halbbatzen des 17. Jahrhunderts, die auf süddeutschen Besitz des Churer Bischofs verweisen und LORY (70) die Berner Prägetätigkeit der Jahre 1753–1756. DE LA RIVE (89) schliesslich legte als Typoskript einen neuen Katalog der Prägungen des Gotteshausbundes mit einem Abriss zur Münzgeschichte vor. Erfreulich häufig beschäftigten sich Publikationen mit der neuesten Münzgeschichte seit 1798 (43, 61, 71, 75). Besonders interessant ist der Einblick von KOCH (62) in die – bisher vergeblichen – Anläufe zu einem 10-FrankenStück in Münzform. Die Schweizerische Nationalbank hat allerdings ihr 100-Jahr-Jubiläum in dieser Beziehung
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ungenutzt verstreichen lassen. Die zum Jubiläum 2007 vorgelegte Monographie (98) lässt den historischen Blick auf die Geldgeschichte weitgehend vermissen. Archäologische Numismatik: Münzfunde und Geldumlauf Nach wie vor ist die archäologische Numismatik, die sich mit Münzfunden und dem Geldumlauf befasst, derjenige Teil der Forschung mit der umfangreichsten Literatur und auch der grössten Dynamik. Drei Dinge waren im Berichtszeitraum besonders markant: – Die dichte Vernetzung des Inventars der Fundmünzen der Schweiz (IFS) in der ganzen Schweiz (vgl. 24) machte sich durch durch zahlreiche Veröffentlichungen von Mitarbeitenden des IFS – das 2002 sein 10jähriges Bestehen feierte (83) – bemerkbar (ACKERMANN, DIAZ TABERNERO, FEDEL, NICK, PETER, SCHACHER). – Die internationalen Tagungen der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Fundmünzen (SAF) hatten nicht nur eine grosse Ausstrahlung in der internationalen Forschung, sondern auch Rückwirkungen auf die Forschung in der Schweiz. – Viele der Arbeiten gingen selbstverständlich auf die Interpretation der Funde ein; die Behandlung von Aspekten des Geldumlaufs gehört heute geradezu zum Standard von Fundmünzenarbeiten in der Schweiz. Es ist unter diesen Voraussetzungen kein Zufall, dass die SAF anlässlich ihres 20jährigen Jubiläums die erste internationale Tagung über europäische Fundmünzenprojekte initiierte und 2005 gemeinsam mit der Numismatischen der Länder in der Bundesrepublik Deutschland organisierte. Zur Tagung erschien ein Band mit Materialien zu den europäischen Fundmünzen-Unternehmen (2), an dem wiederum das IFS wesentlich beteiligt war. Die beiden internationalen Tagungen der SAF zum Thema «Circulation monétaire régionale et suprarégionale» (19) und zu «Faux – contrefaçons – imitations» (8) behandelten die beiden Themenbereiche quer durch die Epochen und mit einem weiten geographischen Blickwinkel in der Absicht, Vergleiche unter ähnlichen Phänomenen zu ermöglichen und die Forschung über die üblichen Epochengrenzen hinweg zu befruchten; in einer Synthese zur ersten Tagung versuchte ZÄCH (19, pp. 279–292) mögliche Erkenntnisgewinne zu skizzieren. Beide Tagungsbände enthielten auch Beiträge zu schweizerischen Themen: einen Überblick zum hochmittelalterlichen Geldumlauf von KLEIN (19, pp. 201–224) und zum Geldumlauf in Graubünden von DIAZ TABERNERO (19, pp. 225–240), einen umfangreichen Abriss der Falschmünzer-«Industrie» in monetären Krisenzeiten von FROIDEVAUX und CLAIRAND (8, pp. 175–233) und Überlegungen zur Nominalstruktur des Münzumlaufs im Spätmittelalter von ZÄCH (19, pp. 241–256). Gerade der letzte Beitrag macht deutlich, wie Fragestellungen, die ursprünglich aus der archäologischen Numismatik stammen, in die Münzgeschichte hineinreichen. Ein grösserer Schatzfund des frühen 16. Jahrhunderts von Neunkirch (SH) – der früheste Batzenfund im süddeutschen Gebiet – wurde von DIAZ TABERNERO und SCHMUTZ (28) monographisch in der Reihe des IFS vorgelegt, ein weiterer Schatzfund des 19. Jahrhunderts aus Sursee (LU) in derselben Reihe von DIAZ TABERNERO (23). Kleinere Schatzfunde bzw. Börsen wurden von MATZKE und DIAZ TABERNERO (12. Jh., 79), ELSIG und EL SHERBINY (12. Jh., 35), ELSIG (13. Jh., 37), PETER und ZÄCH (14. Jh., 84), DIAZ TABERNERO (14. Jh., 27), ACKERMANN und MARTI (um 1500, 3), FEDEL (17. Jh., 40) und ELSIG (17. Jh. und 18. Jh., 36, 38) publiziert. FEDEL veröffentlichte einen Vorbericht zum wichtigen Schatzfund von Pruntrut (vor 1425, 41), der ebenfalls monographisch vorgelegt werden soll. Dass die (Neu)-Bearbeitung alter Funde und Fundnachrichten sehr ergiebig sein kann, zeigte BLASCHEGG (11) mit der Neubearbeitung des bereits 1869 entdeckten Schatzfund von Wolsen (ZH) aus dem frühen 14. Jahrhundert, einem Schlüsselfund für die Typologie der schweizerischen einsetigen Pfennige des 13. und 14. Jahrhunderts. ILISCH (56) beschäftigte sich neu mit dem karolingisch-islamischen Schatzfund von Steckborn (TG, gefunden 1830), der zu den wichtigen Dirhamfunden in Mitteleuropa gehört. SCHMUTZ (94) und SCHACHER (90) rekonstruierten bisher unbekannte Funde aus vorhandenen Nachrichten und Fundresten, während GEISER, EL SHERBINY und RAEMY TOURNELLE (52) sich beim wichtigen alten Schatzfund von Joressens (gefunden 1832) leider nur auf einen Teil der Überlieferung beschränkten. Schliesslich kann ein neuer Blick auf alte Funde zu neuen typologischen Einsichten bei Münzserien führen, wie ALIPPI und MÜHLEMANN (5) vorführten. Verschiedene bedeutende Grabungskomplexe wurden mit ausführlichen Auswertungen vorgelegt. In erster Linie sind die Monographien zu den Grabungen in der Reformierten Kirche von Steffisburg (BE) von SCHMUTZ und KOENIG (93) sowie im Kloster St. Johann in Müstair von DIAZ TABERNERO und HESSE (25) zu nennen. In beiden Fällen enthielten die Publikationen ausführliche Bemerkungen zum Geldumlauf ermöglichte die sorgfältige
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Grabungsdokumentation auch begründete Hypothesen zum Funktionszusammenhang der Münzfunde (Kirchenopfer bzw. Marktplatz). DERSCHKA (18) veröffentlichte die umfangreichen Münzfunde vom Kirchenhügel in Bendern (Fürstentum Liechtenstein) mit einer ausführlichen Auswertung. Daneben wurden zahlreiche neue Münzfunde aus Siedlungsgrabungen publiziert, aus dem Frühmittelalter durch DIAZ TABERNERO (21), Kirchenfunde durch CAMPAGNOLO (15), DIAZ TABERNERO (29), ELSIG (36), GEIGER (47), GEISER (53), SCHÄRLI (91) und ZÄCH (105). Weitere Siedlungsfunde wurden von DIAZ TABERNERO (26), FEDEL (42), FREY-KUPPER (44, 45), LURASCHI (74), MÜHLEMANN (81) und ZÄCH (109) veröffentlicht. Wie schon erwähnt, beschäftigten sich zahlreiche Arbeiten anhand der Münzfunde mit dem Geldumlauf. ZÄCH und DIAZ TABERNERO gingen, ausgehend von zwei neuen bzw. neu bekannt gewordenen Funden des 9. und 10. Jahrhunderts im Alpenrheintal aus Chur (GR) und Lauterach (Vorarlberg, 102), auf den Geldumlauf des 9./10. Jahrhunderts in der Ostschweiz ein (107). KLEIN und SCHMUTZ (60) nahmen eine Zusammenstellung von Goldmünzen-Funden im Kanton Bern zum Ausgangspunkt für eine Untersuchung des Goldumlaufs im 14. und 15. Jahrhundert. MATZKE (76) untersuchte die Umlauf- und Versorgungsregionen des Basler und des Breisgauer Pfennigs in Bezug auf die gegenseitigen Einflüsse und GEIGER (49) zog das Beispiel des Tessin heran, um eine «Peripherie als Transitzone» des Geldumlaufs zu charakterisieren. SCHMUTZ (92) skizzierte die Währungsgebiete und Währungsgrenzen im Gebiet der heutigen Schweiz, die sich dadurch auszeichnen, dass europäische «Grenzen» des Geldumlaufs und der Machart der Münzen durch die Schweiz verliefen. DIAZ TABERNERO gab einen Abriss des Geldumlaufs in der Innerschweiz (20) und präsentierte für die Kantone Luzern (22) und Uri (30) den jeweiligen Forschungsstand. SCHMUTZ (95) richtete den Blick auf die spätmittelalterlichen monetären Beziehungen zwischen Tirol und der Schweiz. Nur am Rande sei hier schliesslich auf die Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden bei der Fundmünzenbearbeitung hingewiesen. Neben Analysemethoden zur Bestimmung der Metallzusammensetzung (77) sind dies auch Verfahren wie die Neutronenradiographie (82), die im Vorfeld von restauratorischen Entscheidungen z.B. bei Münzensembles mit organischen Resten eingesetzt werden können. Münzbetrieb, Silberbergbau SCHMUTZ (96) stellte die Münzstättendarstellung auf dem Berner «Steigerbecher» neu vor und ZÄCH (112) umriss Forschungsstand und Literatur zu Prägedarstellungen in der Schweiz. EMMERIG (39) würdigte in einem Überblick zum Münzstättenbetrieb die Schaffhauser Wappenscheibe des Werner Zentgraf als wichtige Bildquelle für das Innenleben einer Münzstätte um 1565. BREYVOGEL (12) legte eine umfangreiche Arbeit zum Silberbergbau und der Münzprägung des Mittelalters im Oberrheingebiet vor, die erstmals die Schriftquellen bis um 1500 systematisch auswertet, aber auf die Münzen selbst nicht eingeht. Geld im Gebrauch Der Gebrauch von Münzgeld führt bald zum Thema der Fälschungen. Die Tagungsakten des Kolloquiums der SAF zum den «Faux – contrefaçons – imitations» (8) enthielt auch verschiedene Beiträge zu Schweizer Themen: neben dem bereits erwähnten Beitrag zur Falschmünzerei in Münzkrisen (8, pp. 175–233) veröffentlichten CLAIRAND und FROIDEVAUX (8, pp. 235–254) den Lebensabriss eines Falschmünzers des 18. Jahrhunderts und DUBUIS (8, pp. 255–266) stellte eine Falschmünzeraffäre des 17. Jahrhunderts vor. FROIDEVAUX (46) beschäftigte sich zudem mit der möglichen Herstellung von falschen Walliser Batzen in der Münzstätte von Neuchâtel im Jahr 1761 und LURASCHI (73) stellte eine zeitgenössische Fälschung einer Prägung von Bellinzona aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor. ZÜLLE (113) lieferte Fakten zu Nachprägungen liechtensteinischer Gold und Silbermünzen. LORY (68) behandelte anhand eines Rechentischs und Rechenbretts im Schloss Thun das Zählen und Rechnen auf Tischen und LURASCHI (72) wies anhand zweier Mailänder Münztarife des 19. Jahrhunderts auf Probleme bei der Regelung des Umlaufs von Schweizer Münzen in der Lombardei hin. Papiergeld, Marken und Gewichte, Ikonographie KUNZMANN und RICHTER (87) veröffentlichten ein monumentales Bestimmungswerk für die schweizerischen Banknoten, das noch lange Zeit als Referenzwerk dienen wird. KUNZMANN publizierte zudem einen Katalog des Konsumgelds der Schweiz (64). Daneben erschienen vereinzelte Beiträge zu Papiergeld, von denen nur ein Ausstellungsbeitrag von SCHMUTZ (97) hervorgehoben sei.
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Die Produktion von Marken ist vor allem durch Funde belegt, wie FREY-KUPPER erneut an Berner Beispielen aufzeigen konnte (45). Seltene Funde von Münzgewichten wurden unter anderem von ACKERMANN (4) vorgelegt und kommentiert. Nur selten wird die Ikonographie der Münzen im Mittelalter und der Neuzeit behandelt; ZÄCH (106) warf ein Streiflicht auf die Münzbilder von Schweizer Münzen unter dem Aspekt ihrer Funktion als Mittel der Repräsentation und Identitätsstiftung. BIBLIOGRAPHIE
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ÖSTERREICH
Hubert Emmerig Die Veröffentlichungen zur Münz- und Geldgeschichte Österreichs in Mittelalter und Neuzeit seit dem Bericht im letzten Survey (ALRAM/DENK 1) sind zunächst so zu charakterisieren, dass einerseits nur wenige grundlegende und systematische Neubearbeitungen einzelner Teilgebiete zu verzeichnen sind, andererseits aber die wesentlichsten Fortschritte des aktuellen Wissensstandes im Rahmen von Fundpublikationen erzielt werden konnten. Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt auf der Publikationsliste. Der Textteil soll nur wenige Neuerscheinungen von herausragender Bedeutung hervorheben. Die Publikationen werden hier in einer thematischen Gliederung präsentiert. Beim Mittelalter ist zunächst der umfangreiche Sammelband über die Anfänge der Friesacher Münzprägung (ALRAM/HÄRTEL/SCHREINER 23) von grundlegender Bedeutung. Der Beitrag über die Münzprägung selbst, eine Wiener Dissertation von WINTER (41), wird ergänzt durch eine Untersuchung über die Schriftquellen zu diesem Thema (BAUMGARTNER 25) und durch Metallanalysen (LINKE/SCHREINER 30). Wichtig ist auch die Arbeit von GRUNDNER (28, 29), die auf der Basis der spätmittelalterlichen schriftlichen Überlieferung die verwaltungsmäßige Organisation der Münzstätte Wien untersucht. RIZZOLLI legte nun seinen lange erwarteten zweiten Band der Tiroler Münzgeschichte vor (39), der das Corpus der Meraner Münzprägung bis zur Verlegung der Münzstätte nach Hall 1477 nun abschließt. Die Salzburger Münzgeschichte und -prägung des 15. Jahrhunderts hat EMMERIG (27) im Rahmen der bayerischen Münzgeschichte neu bearbeitet. Auf dem Gebiet der mittelalterlichen Münzfunde hat die Publikation des Fundes von Fuchsenhof größte Bedeutung, der in den 1270er Jahren endet und neben Münzen auch diverse weitere Gegenstände aus Edelmetall enthielt (PROKISCH/KÜHTREIBER 49). Seine Vorlage, die eindrucksvollste Publikation eines österreichischen Mittelalterfundes, die es bisher gibt, leistet über die Interpretation des Fundes hinaus einen wichtigen Beitrag zur Ordnung des österreichischen Münzmaterials der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Für die Neuzeit ist auf eine niederländische Dissertation hinzuweisen, die den Dukaten und insbesondere sein Auftreten in Österreich im 18. und 19. Jahrhundert untersucht (BRZIC 55). Beim Papiergeld besticht der Prachtband von FILIP (62) besonders durch seine opulente Illustration. Zur Finanzgeschichte, im weiteren Sinne auch für die Numismatik relevant, sind mehrere wichtige Neuerscheinungen zu vermelden (EDELMAYER/LANZINNER/RAUSCHER 57; PÜHRINGER 74; RAUSCHER 75; VOREL 79). Für die Epoche von Maria Theresia ist auf die Monographie von SEMPLE (87) über den Maria-Theresia-Taler hinzuweisen, die insbesondere auch seinem Nachleben breiten Raum einräumt. Für die Moderne enthält der Sammelband von LIEBSCHER/SEIPEL (99) wichtige Beiträge zum Münz- und Geldwesen des 20. Jahrhunderts; seine Herausgabe ist wie die vieler weiterer Publikationen durch die Einführung des Euro im Berichtszeitraum motiviert. Die Ausbreitung und Durchmischung des Euro-Geldes in Österreich untersuchte ein – leider wohl zeitlich zu kurz angelegtes – Wiener Projekt (DENK/POLZER/MOSER 90). Eine ganze Reihe wichtiger Beiträge leisten die diversen Publikationen neuzeitlicher Funde, die den gesamten Zeitraum vom 16. bis 19. Jahrhundert betreffen. BIBLIOGRAPHIE
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