Vadian und die Numismatik: Eine Spurensuche moreIn: Rudolf Gamper (Hrsg.), Vadian als Geschichtsschreiber, St. Gallen 2006 (Vadian-Studien, Untersuchungen und Texte, 17), S. 129–142. |
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Reformation History, History and Philosophy of the Human Sciences, Vadianus, History of Numismatics, Archaeology, museums, and Cultural History
Vadian und die Numismatik: Eine Spurensuche Benedikt Zäch
Vadian hat sich nicht intensiv und wohl auch nicht systematisch mit der Numismatik (Münzkunde und Geldgeschichte) beschäftigt. Er ist aber im Laufe seiner universitären und historischen Studien Münzen als Quellen begegnet, konnte sie bestimmen und deuten und hat als Zeitgenosse Münzpolitik mitgestaltet und als Historiker kommentiert. All diese Begegnungen mit der Numismatik lassen sich freilich nur in Spuren verfolgen. Eine Spurensuche in Sachen «Vadian und die Numismatik» geht zunächst von drei scheinbar einfachen Fragen aus: – Was bringt der humanistisch gebildete Gelehrte Vadian an Kenntnissen zur Numismatik mit? – In welchen Zusammenhängen beschäftigt er sich mit Münzen und Münzgeschichte? – Gibt es Hinweise auf ein spezielles Interesse an numismatischen Fragen? Die Beantwortung dieser Fragen kann uns nicht nur helfen, Vadians Beziehung zum Studium der Münzen und der Münzgeschichte zu umreissen, sondern erlauben ihn auch im zeitgenössischen Umfeld zu situieren.
Zu Begriff und Definition der Disziplin vgl. Arnold Luschin von Ebengreuth, Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit, Berlin, . Aufl. (Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte, Abt. IV: Hilfswissenschaften und Altertümer), S. –; Robert Göbl, Numismatik: Grundriss und wissenschaftliches System, München , S. –. – Zu Beginn des . Jahrhunderts stand natürlich der antiquarische Aspekt der Münzkunde und ihre Bedeutung als – oft einzige – Quelle zur römischen Kaisergeschichte ganz im Vordergrund. Deshalb waren die ersten erfolgreichen numismatischen Werke ganz ikonographisch orientiert; vgl. dazu Maria R.-Alföldi, Antike Numismatik, Teil I: Theorie und Praxis, Mainz (Kulturgeschichte der antiken Welt ), S. –. Für die Einladung, diesen bisher nicht beleuchteten Aspekt Vadians darzustellen sowie zahlreiche Anregungen danke ich Rudolf Gamper, Vadianische Sammlung, sehr herzlich. Wertvolle Hinweise und Hilfestellungen verdanke ich ferner Peter Erhart, St.Gallen, Rainer Henrich, Zürich, Fredi Hächler, St.Gallen, Martin P. Schindler, St.Gallen, Christian Sieber, Adliswil und Renata Windler, Winterthur.
Um letzteres zu erleichtern, soll Vadian kurz auch einem etwas jüngeren Zeitgenossen, nämlich Aegidius Tschudi, gegenübergestellt werden. Vadians Studium und Lehrtätigkeit in Wien Beginnen wir mit dem, was Vadian im Laufe seiner universitären Laufbahn von Numismatik erfahren haben kann. Immerhin absolvierte er in seinen Wiener Studienjahren ein humanistisch ausgreifendes Studium, das verschiedenste Fachgebiete umfasste, die im universitären Kanon noch nicht in separate Disziplinen aufgespalten waren; ab lehrte er auch. Wurden münzgeschichtliche Themen davon berührt? Und gibt es Hinweise dafür, dass etwas davon in seine Lehrtätigkeit einfloss? Vadian studierte ab / an der Artistenfakultät und im Poetenkolleg von Konrad Celtis Literatur, Poetik und Philologie, unterbrochen von einem Aufenthalt in Villach als Lehrer, aber auch als Musikstudent; im Herbst absolvierte er die Magisterprüfungen. Gleichzeitig oder unmittelbar danach, jedenfalls noch , scheint er eine Horazlektüre gegeben zu haben, die wohl als seine erste Lehrveranstaltung zu gelten hat. Ab lehrte Vadian an der Wiener Universität als Dozent. Am Anfang standen vermutlich Lektüren von Texten Columellas (?); die erste eigentliche Vorlesung im Sommersemester befasste sich mit Sallusts Geschichtswerken über die Catilinarische Verschwörung und den Jugurthinischen Krieg; beide Werke legte er anschliessend als Textabdrucke vor. In den folgenden Jahren unterrichtete er römische Geschichte und Literatur sowie Mathematik und Astronomie, Poetik und Geographie, bis auch Naturwissenschaften und Geographie, in der Regel als kommentierte Lektüren antiker Texte (‚Sphaera’ des Aristoteles, Briefe des Cicero, ‚Praefatio in historiam mundi’ von Plinius d.Ä. etc.). Aus verschie Vgl. dazu Benedikt Zäch, Tschudi als Numismatiker. In: Aegidius Tschudi und seine Zeit, hrsg. von Katharina Koller-Weiss und Christian Sieber, Basel , S. –. Betr. Vadians Studien- und Lehrtätigkeit in Wien vgl. Werner Näf, Vadians Vorlesungen in Wien, in: Werner Näf, Vadianische Analekten, St.Gallen (Vadian-Studien ), S. – und zusammenfassend Näf, Vadian, Bd. , S. ff.; Franz Graf-Stuhlhofer, Vadian als Lehrer am Wiener Poetenkolleg, in: Zwingliana (), S. –. Vadians Immatrikulation wird von Graf-Stuhlhofer (wie Anm. ), S. Anm. gegen Ende des Winter-Semesters, vermutlich März , angesetzt, während Näf und mit ihm die ältere Literatur von einer Immatrikulation noch gegen Ende , also zu Beginn des Semesters, ausgehen. Näf, Vadian, Bd. , S. –. Näf, Vorlesungen (wie Anm. ), S. . Näf, Vorlesungen (wie Anm. ), S. f.
denen Vorlesungen erwuchsen neue Texteditionen (z.B. das . Buch der Naturgeschichte des Plinius und natürlich die Textausgabe mit den Scholien zur Geographie des Pomponius Mela). Eine Sonderstellung nimmt im Winter / die Vorlesung ‚De Poetica et carminis ratione’ ein; zum einen entstand daraus ein eigenes Werk Vadians, seine Poetik (deren Nachruhm weit grösser war als der zeitgenössische Erfolg), zum anderen handelt es sich um «eine der ersten, wenn nicht die allererste umfassende literaturkundliche Vorlesung, von der wir Kunde haben». Die Aufzählung der Studien- und Lehrfächer soll die Bandbreite andeuten und auch die Umorientierung ab dem Moment, wo Vadian sein Promotionsstudium der Medizin begann (/), das ihn direkt und indirekt auch zu den Naturwissenschaften (besonders Geographie und Astronomie) hinlenkte. Bemerkenswert, wenn auch nicht ungewöhnlich, ist die Tatsache, dass Vadian mit dem Medizinstudium erst einige Zeit nach dem Magisterexamen begann, als er bereits Dozent war. Er war mitten darin, als er zum Poeta laureatus gekrönt und / im Wintersemester zum Rektor der Universität gewählt wurde. Dass der Entscheid zu diesem «nützlichen» Studium vielleicht durch Überlegungen zur Rückkehr nach St.Gallen und seiner dortigen Zukunft beeinflusst war, zeigt sich auch daran, dass Vadian zunächst offenbar ein Jurisprudenz-Studium begann. Was die Münzkunde betrifft, so ist dem Fächerkanon zu entnehmen, dass es kaum direkte Berührungspunkte gab; natürlich las Vadian – dessen umfassende Belesenheit unter seinen Komilitonen Bewunderung auslöste – die römischen Historiker, aber in deren Texten spielte die Münzgeschichte keine Rolle. Direkte antiquarische Anschauung der Geschichte hätte Vadian etwa über die Epigraphik gewinnen können, aber damit hat er sich offen-
Erstmals wurde er damit von der Fakultät mit einer regulären Vorlesung im Rahmen des Curriculums beauftragt und stieg in den Rang der Magistri ordinarie legentes auf; Näf, Vadian, Bd. , S. f. Zu diesen Ausgaben vgl. Werner Näf, Verzeichnis der Vadianischen Publikationen bis (), in: Werner Näf, Vadianische Analekten, St.Gallen (Vadian-Studien ), S. –, bes. S. , Nr. und S. , Nr. (Strabo), S. , Nr. (Plinius) und S. , Nr. (Pomponius Mela). Näf, Vadian, Bd. , S. . Näf, Vadian, Bd. , S. f. Graf-Stuhlhofer (wie Anm. ), S. . Vadian hat den Entscheid für die Medizin vermutlich nachträglich rationalisiert mit der Bemerkung (in ‚De Poetica’, ), er habe eingesehen, «dass die Kenntnis der Natur für die stets von ihm geliebte Dichtkunst nützlicher sei als die Jurisprudenz»; Näf, Vadian, Bd. , S. f.
bar nicht befasst, obschon in der humanistischen Erforschung der Antike (römische) Inschriften zu Beginn des . Jahrhunderts durchaus schon eine Rolle spielten. Empirische Anschauung suchte Vadian stattdessen in der Geographie und Landeskunde. Auch die Lehrtätigkeit Vadians spiegelt keine direkte Verbindungen mit der Numismatik. Vadians Vorlesungen zur römischen Geschichte waren Lektüren und Kommentierungen von Texten; die Erläuterungen bezogen sich nur auf den Inhalt dieser Geschichtswerke. Budés ‚De Asse et partibus eius’ und Pomponius Mela Für seine geographischen Studien allerdings, vor allem die Scholien zu Pomponius Mela, arbeitete Vadian intensiv mit einem Werk des französischen Humanisten Guillaume Budé, das geradezu eine numismatische Inkunabel ist und dessentwegen Erasmus von Rotterdam Budé als «le prodige de France» bezeichnet haben soll. Das Werk ‚De Asse et partibus eius’ wurde erstmals in Paris veröffentlicht. Diese Ausgabe besass Vadian selbst; es ist, neben einer Ausgabe des Werks von Glarean und dem Druck eines Augsburger Münzmandats von , das einzige numismatische Werk, das in seiner Bibliothek nachweisbar ist. Beim Buch von Budé handelt es sich um eine sehr umfangreiche Kompilation zu den antiken Münzen, Massen und Gewichten sowie Exkursen
Dazu gehörte z.B. auch die Reise nach Venedig, Udine, Triest und Görz nach seinem Villacher Aufenthalt : Näf, Vadian, Bd. , S. . Guillaume Budé war der bedeutendste französische Humanist an der Wende zum . Jahrhundert. Er lehrte an der Pariser Universität und gehörte zum engeren Hof des französischen Königs, für den er als Hofbibliothekar tätig war. Auf Budés Veranlassung hin gründete François Ier das Collège Royale (das heutige Collège de France) mit der ersten grossen Studienbibliothek Frankreichs. Budé war in erster Linie Gräzist und Jurist, besass aber offenbar eine Münzsammlung; betr. Budé vgl. Hans Rudolf Guggisberg, in: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG) I (), S. ; David O. McNeil, Guillaume Budé and Humanism in the reign of Francis I, Genève (Travaux d’humanisme et renaissance ); Gilbert Gadoffre, La Révolution culturelle dans la France des humanistes: Guillaume Budé et François Ier, Genève (Titre courant ). Nach R.-Alföldi (wie Anm. ), S. . Christian Edmond Dekesel, Bibliotheca nummaria – Bibliography of the th century numismatic books: illustrated and annotated catalogue, London , S. , Nr. B . Bibliotheca Vadiani, S. , Nr. (Budé) und S. f., Nr. (Münzmandat); zu Glareans ‚De Asse …’ s. unten Anm. . – Das Augsburger Münzmandat, das ursprünglich wohl an die Stadt gerichtet war, könnte als «Überrest» der Amtstätigkeiten Vadians in seine Bibliothek gekommen sein; dies vermutet jedenfalls Dieter Demandt, Die Bibliothek des St.Galler Reformators Vadian als Quelle für seine Befassung mit Staat und Gesellschaft, in: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte (), S. –, hier S. .
zum (römischen) Messwesen, das auf Grund seines Umfangs und seiner schwierigen Form bis heute nicht näher untersucht ist. Das Werk wurde von Budé selbst als ‚Summaire ou Epitome du liure de Asse’ in das Französische übersetzt und erlebte daneben ab zahlreiche Neuauflagen, darunter eine Reihe von gekürzten Versionen. gab Glarean (Heinrich Loriti) eine Bearbeitung in Basel heraus. Obschon es keine einzige Münzabbildung enthält und trotz seiner Unlesbarkeit gilt ‚De asse...’ dank des überragenden Rufs von Guillaume Budé als eine der wirkungsmächtigsten Arbeiten in der Frühzeit der Numismatik; bis gegen Ende des . Jahrhunderts wurde es für das Verständnis des antiken Wirtschaftssystems als grundlegendes Werk betrachtet. Vadian arbeitete sein Exemplar des Buchs intensiv durch, zum einen wohl anlässlich der Vorbereitung einer Vorlesung zu Pomponius Mela im Sommer , die im Sommer wiederholt wurde, dann aber vor allem im Hinblick auf die erstmals veröffentlichten und sowie erneut aufgelegten Scholien zur Geographie von Pomponius Mela. Der einzige belegte Briefkontakt Vadians mit Guillaume Budé bezieht sich wohl nicht zufällig ebenfalls auf Pomponius Mela. Vadian zitierte Budé denn auch in den Scholien.
Richard Cooper, Collectors of Coins and Numismatic Scholarship in Early Renaissance France, in: Medals and Coins from Budé to Mommsen, hrsg. von M.H. Crawford, C.R. Ligota und J.B. Trapp, London (Warburg Institute Surveys and Texts ), S. –, hier S. –. – Das erste Buch befasst sich mit dem römischen As und Sesterz, das zweite mit römischen und griechischen Münzen allgemein und das dritte mit Gold- und Silbermünzen. Das vierte Buch ist schliesslich anderen Massen und der Ladefähigkeit von Schiffen gewidmet. Dekesel, Bibliotheca nummaria (wie Anm. ), S. , Nr. B (Übersetzung von Budé), S. –, Nr. B –B (Neuauflagen ab ), gekürzte Versionen (jeweils als ‘Extrait ou Abbregé’ bezeichnet): z.B. Paris (Dekesel, S. , Nr. B ) oder Lyon (Dekesel, S. , Nr. B ). Dekesel, Bibliotheca nummaria (wie Anm. ), S. , Nr. L (dort S. , Nr. L eine weitere, bis auf die Jahrzahl auf dem Titelblatt identische Ausgabe Basel ). – Glareans Ausgabe von befindet sich, als Widmungsexemplar von Josua Kessler, ebenfalls in Vadians Bibliothek: Bibliotheca Vadiani, S. , Nr. . «It is long, incurably rambling and difficult to approach»; Cooper (wie Anm. ), S. . Näf, Vorlesungen (wie Anm. ), S. f., Nr. . Näf, Verzeichnis (wie Anm. ), S. , Nr. und Näf, Vadian, Bd. , S. f. Vadian hatte Budé möglicherweise ein Exemplar der Ausgabe von geschickt; Budé antwortete ihm am . Oktober , er habe den für ihn bestimmten Mela noch nicht erhalten oder anderweitig beschaffen können und könne daher auf die von Vadian unterbreiteten Fragen nicht eingehen; Vadianische Briefsammlung VII, S. f., Nr. (der Brief ist ohne Jahresangabe, sie lässt sich aber aus dem Kontext erschliessen).
Der gedruckte Text von Budé ist in Vadians Exemplar in charakteristischer Weise mit Merkwörtern, kurzen Kommentaren und anderen Marginalien versehen. Wichtige Stellen sind zusätzlich unterstrichen. Auch erklärende Zeichnungen finden sich. An einer Stelle macht Vadian in seinem Exemplar des Werks von Budaeus einen direkten Kommentar zu einer dort erwähnten Münze: Ein solches Stück, vermerkt er, habe er aus Siebenbürgen erhalten und seinem Freund Collimitius in Wien geschenkt. Vadian und die Numismatik in Wien Damit ist auch die Frage angesprochen, ob Vadian persönlich Münzen besass oder gar sammelte. Bereits die oben zitierte Stelle weist darauf hin, dass Vadian, was Münzen anging, keinen «Sammeltrieb» entwickelte. Auch später hält sich sein Interesse an Fundmünzen, wie wir noch sehen werden, sehr in Grenzen. Nimmt man diese wenigen Hinweise zusammen, so wird deutlich, dass Vadian in Wien keine numismatischen Studien – welcher Art auch immer – getrieben hat. Er besass vermutlich keine Münzsammlung, bekam aber Münzen in die Hand. Er zeigte namentlich kein antiquarisches Interesse an Münzen und damit kümmerte er sich auch nicht besonders um Fundmünzen. Er kannte dagegen die massgebliche Literatur, in erster Linie Budaeus, und arbeitete mit ihr. Es ist auch belegt, dass er antike Münzen korrekt zu bestimmen wusste. Einen Eigenwert besassen numismatische Erörterungen für Vadian am Ende seiner Wiener Zeit jedoch nicht. Vadians historisch-politische Beschäftigung mit dem Münzwesen in St.Gallen Vadian besass über seine Familie eine direkte persönliche Beziehung zum Münzwesen. Sein Vater, Lienhart von Watt, war zwischen etwa und
Conradin Bonorand, Personenkommentar II zum Vadianischen Briefwerk, St.Gallen (Vadian-Studien ), S. . Georg Tannstetter (Collimitius), einer der älteren Studienkollegen Vadians in Wien und später daselbst Professor; Bonorand, Personenkommentar II (wie Anm. ), S. –. – Der Kommentar zur Münze in Budaeus, ‚De Asse...’ (Bibliotheca Vadiani, S. , Nr. ), Kantonsbibliothek St.Gallen, Vadianische Sammlung, Inc. -/, fol. . Vgl. die Bestimmung von römischen und griechischen Münzen für Bullinger in den er-Jahren; Vadianische Briefsammlung V, S. –, Nr. ; Bullinger-Briefwechsel, Ergänzungsband A, Zürich , S. , Nr. (Datierungsvorschläge: , , ). – Diese Kenntnisse hatte sich Vadian ohne Zweifel in Wien und im Austausch mit seinen Studienfreunden erworben.
als Probierer zu der möntz der Stadt St.Gallen direkt an der Münzprägung beteiligt gewesen. Es scheint allerdings nicht, dass der Sohn dem Vater in diesem Amt nachgefolgt ist. Nach der Rückkehr Vadians nach St.Gallen () hören wir für die ersten Jahre nichts über eine Beschäftigung mit Münzen. Was wir ab Mitte der erJahre an Hinweisen besitzen, lässt sich in zwei Themenbereiche gliedern: a) Während seiner Bürgermeisterjahre ab kümmerte sich Vadian um praktische Fragen der Münzpolitik und kommentierte sie. b) Ab den er-Jahren befasste sich Vadian nun auch historisch-antiquarisch mit Münzfunden und der Münzgeschichte. Beides floss in seine historischen Studien zur Geschichte der Abtei St.Gallen ein. Kommentare zum aktuellen Münzwesen In seinem Diarium berichtet Vadian für das Jahr mehrfach von einer Krise, die das aktuelle Kleingeld der Stadt St.Gallen, die Pfennige, betraf. Verschiedene Städte um den See beklagten sich im Januar beim St.Galler Rat, sie seien mit minderwertigen St.Galler Pfennigen konfrontiert, darunter auch falschen Stücken; als Folge davon wurden die St.Galler Pfennige in den Nachbarstädten verboten; die Städte wollten wissen, ob der Münzmeister von St.Gallen daran Schuld trüge. Im April beschloss der St.Galler Rat, das überhandnehmende schlechte Kleingeld sei auf mehreren Wegen loszuwerden. Unter anderem sollten Boten von St.Gallen zu den andern Orten reisen und dort die schlechten St.Galler Pfennige – selbst mit Verlust – aufkaufen, um sie der Zirkulation zu entziehen. Dasselbe sollte mit den entsprechenden Pfennigen in der Stadt selbst geschehen; hier wandte man sich gezielt an die Kaufleute, die Bäcker, Weinschenken und Bader. Auf diese Weise kam Kleingeld in der Höhe von Gulden zusammen. Damit liess sich die Flut schlechten Kleingeldes zwar eindämmen, aber das betroffene Handwerk nahm ziemlich grossen Schaden. Vadian stellt in einer (durchgestrichenen) Randnotiz fest, dass andererseits einige Stadtbürger Wein in grossen Mengen auf dem Land gegen gro-
StadtASG, Bd. (Ämterlisten), fol. r. Er ist letztmals in dieser Funktion verzeichnet; befindet sich Lienhart von Watt noch im Kleinrat (StadtASG, Bd. , fol. v), stirbt aber im Verlauf des Jahres. Vadian, Diarium, S, , Nr. . Der Münzmeister Paul Zacharias, stellt Vadian lakonisch fest, liess sich dazu nicht befragen, da er von uns hinweg an die Etsch geriten was und kam nit mer wider, schikt ouch nach wib und kind und nam durch sin früntschaft urlob von unserm rat, beteuerte aber brieflich, er sei sich keiner Schuld bewusst.
be Münzsorten verkauft hätten, um das Kleingeld (und den Warenumsatz in der Stadt) zu vermeiden; dadurch sei der Stadt viel Umgeld verloren gegangen. Der Schaden war enorm; immerhin hatte sich herausgestellt, dass der Silbergehalt der St.Galler Pfennige mehr als % unter den Prägevorschriften gelegen hatte. Der Rat sah sich daher gezwungen, im selben Jahr noch Darlehen von insgesamt fl. bei einem Lindauer Bürger, der Zollikofer-Gesellschaft und verschiedenen St.Galler Bürgern aufzunehmen. Bereits im April hatte man goldenes hailtum (Kirchengerät) aus den Kirchen nach Lyon verkauft. Daraus resultierte ein Gewinn von Kronen. Das in die Schaffhauser und Konstanzer Münze verkaufte Silber brachte Gulden und für die Edelsteine und krallen zahlten zwei fremde Händler Gulden. Vadian schildert diese peinlichen Begebenheiten mit klarem Verständnis für die Mechanismen der Münzmanipulation und dem Wissen darum, was dagegen zu tun sei. Allerdings vermeidet er es, die Profiteure dieser Krise, nämlich einflussreiche Stadtbürger, deutlich zu benennen; mindestens zwei gestrichene Stellen betreffen solche Kritik. Resignierend zieht er daher das Fazit: Allain der arm man und der stat sekel litend schaden. Münzen und Münzrecht als Quellen für die Vorgeschichte der Abtei St.Gallen Im Rahmen seiner Forschungen zur Vor- und Frühgeschichte der Abtei St.Gallen greift Vadian verschiedentlich auf Münzen als Quellen zurück. An wenigen Beispielen sei kurz erläutert, wie er dies tut.
Vadian, Diarium, S. f., Nr. . Dazu gehört vermutlich auch der Eintrag des Ratsprotokolls vom . Mai , der auf mehreren Seiten rund Bürgernamen aufzählt, die klins gelt gemöntzet hab (bzw. dazu aufgefordert wurden; bei vielen Namen steht nüt): mit der Prägung von neuem, besserem Kleingeld wurde wohl der Abgang des schlechten Kleingeld kompensiert; die ganze Einlieferung betrug über Gulden; Carl Moser-Nef, Die freie Reichsstadt und Republik Sankt Gallen: Geschichte ihrer Verfassung und staatsrechtlichen Entwicklung, Bd. , Zürich/Leipzig , S. . Vadian, Diarium, S. , Nr. . Vadian, Diarium, S. , Nr. . Vadian, Diarium, S. , Nr. . Auch später war Vadian mitgestaltend in die städtische Münzpolitik involviert. In seinen Briefen findet sich ein Entwurf (?) zu einer Münzordnung vom . November (Wintermonat) , die das Einschmelzen (kürnen) von alten und guten Münzen und das Einführen von gekürntem Silber unter hohe Strafe stellt; Kantonsbibliothek St.Gallen, Vadianische Sammlung, Ms. , Brief . Vadian, Diarium, S. , Nr. .
In der – entstandenen ‚Kleineren Äbtechronik’ geht Vadian auf die Ursprünge der klösterlichen Münzrechte ein. Er schildert, dass zunächst nur die Könige in ihren Pfalzen Münzen prägen durften. Da man aber das mönzen für gross hielt und zuor selben zeit mit schaden und nit mit gewön gemönzt ward, aber gar eerlich was, wem man gonnt zuo gemeinem nutz mönz zuo schlachen, habe man die Bischöfe, Äbtissinnen und Äbte herangezogen. Die Fürsten hätten daher bewilgtend, bei den gestiften und in den clösteren mönzwerk zu halten, weil die Äbte und Äbtissinnen zum einen geistlich geachtet und zudem ja meist auch Fürstenkinder waren. Die Etymologie des «Angster» erklärt er unterstützend in einer kruden Herleitung so, dass die Münzen einst als denarii Augusti bezeichnet worden seien und daher eigentlich königliche Pfennige seien. Beides erfüllt denselben Zweck: zu unterstreichen, dass auch die Münzrechte der Klöster auf sehr alte Zeit zurückgehen und letztlich kaiserlichköniglichen Ursprungs seien. Für die Legitimation der Klosterherrschaft ist dies ein wichtiges Signal, aber es zeigt auch, dass die Gnade des Münzrechts stets von einer höheren Macht, dem Reich, vergeben wurde. Damit war es nur natürlich, dass dieses Recht später auf die Länder- und Städteorte überging: Und ist die freiung der mönz garnachend allenklich auf die stende und stett des reichs mit gebürlichen freiungen hingelegt worden. Fundmünzen werden als Beleg für das hohe Alter einer Siedlung herangezogen. Die ältesten Münzen aus dem Hochtal der Steinach, die alle römisch waren, bewiesen für Vadian, dass das Tal vor Gallus keine leere Einöde war, sondern von Römern begangen wurde. Johannes Rütiner notiert in seinen ‚Commentationes’ (dem Diarium) eine Bemerkung Vadians, die-
Vadian, Chronik, Bd. , S. . Diese Etymologie, die zu Vadians Zeit durchaus verbreitet war, zeugt eher vom damals dürftigen Kenntnisstand in Bezug auf Münznamen als von Vadians Unkenntnis der Etymologie. Bei Orts- und Siedlungsnamen war Vadian auf der Höhe des kritischen zeitgenössischen Diskurses, wie z.B. entsprechende Äusserungen in seiner Schrift über den oberen Bodensee () zeigen; vgl. dazu Rudolf Gamper, Vadians Arbeit an der Beschreibung des «Oberbodensees», in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung (), S. –, hier S. f. Betr. antiker Toponomastik in den Scholien zu Pomponius Mela vgl. jetzt auch Frohne, Etymon, bes. S. ff. Vadian, Farrago, S. : Indiciis certissimis constat, illo in loco, quem vrbis nostrae moenia cludunt, ante Galli aduentum, non frequentem modo, sed veterem etiam & Romanam vetustatem praeferentem habitationem fuisse. Et sunt nuperrime intra pomeria oppidi nostri reperti in hortis haud procul aede parrochiali D. Magni, argentei & aerei nummi Romani cum Imperatorum veterum inseriptione, qui vel remotam antiquitatem, aliis quoque de coniecturis apparentem indicant, de quibus nunc dicere omittimus.
se ältesten Münzen seien ihm weitaus am liebsten, weil sie von der Besiedlung einer Gegend in einer bisher nicht beleuchteten Epoche berichten würden. Mit dem Verweis auf ältere Münzfunde und Mauerfunde, also archäologischer Evidenz, widerspricht Vadian Beatus Rhenanus, der hartnäckig die Meinung vertritt, Zürich sei eine junge Siedlung ohne Vorgänger. Auch den römischen Ursprung von Bregenz belegt Vadian in seiner Beschreibung des oberen Bodensees () mit Münzfunden. Alle diese Überlegungen sind Beispiele für eine philologisch geschulte, systematische Analyse des Quellenmaterials, das Vadian so interpretiert, dass kaum offene Fragen bleiben. Der Unterschied zwischen diesem Zugriff und einer ungeschulten Spekulation wird schlaglichtartig erhellt am Beispiel einer anderen römischen Münze (des Kaisers Philippus Arabs, –), die auf dem Gebiet der Stadt St.Gallen, im «Hopsermoos», gefunden wurde; wiederum berichten Rütiners ‚Commentationes’ darüber. Der Kreis um Josua Kessler diskutiert diesen Fund und Kessler meint schliesslich, die Münze sei entweder durch Soldaten hergebracht worden oder wohl eher durch die Mönche Tuotilo oder Notker, die eifrig das Altertum studiert hätten! Münzfunde und Münzbestimmungen Trotz der Heranziehung von Fundmünzen für siedlungsgeschichtliche Fragen, die ihm besonders wichtig waren, hatte Vadian kein antiquarisches
Rütiner, Diarium, Textband ,, S. , Nr. : Et sic numismata vidimus nonne omnium hic repertum omnia antiquitate ex cedit quia ultra c annorum Constantij c Mauricij circiter c annorum est. Maxime charum Vadiano quia Maximum argumentum est longe ante Gallum nostrum hanc partem incolatam fuisse. Rütiner, Diarium, Textband ,, S. f., Nr. : Sed de nouitate vrbis Tigurini non consentit quia ex situ posse colligi longo tempore ante inhabitatum illum locum fuisse et ex ruinis et cementis vff dem Hoff vetustissimam arcem fuisse quia vbicumque foditur moenia et aedifficia apparent. Item numismata reperiuntur vetustissima inter quae et nummus breui repertus superinscriptione Tiguri. Et si mihi, inquit, aliquis contingeret ad eum mitterem. Vadian, St.Gallen/Bodensee, S. : Zu Bregantz findt man in dem alten mal kreyß alte römsche pfenning von gold, sylber, und küppfer, und hat man dero hin und har nit wenig. Es handelt sich wahrscheinlich um eine abgegangene Flur in der Gegend von Schönenwegen im Westen der Stadt: Martin Arnet, Die Orts- und Flurnamen der Stadt St.Gallen, St.Gallen (St.Galler Namenbuch, Germanistische Reihe, Bd. : Stadt St.Gallen), S. . Ein weiteres (abgegangenes) Hopsermoos befand sich im Bereich der heutigen Engelgasse (Arnet, S. ). Rütiner, Diarium, Textband ,, S. , Nr. : Putat Ahenarius [Kessler] per milites huc allatus vel potius a Monachis nostris Tutilone sculptore et Notkero advenisse antiquitatum studiosissimos.
Interesse an Münzfunden. Eine interessante Nachricht aus den ‚Commentationes’ von Rütiner macht dies deutlich: erhielt Vadian über römische Münzen, darunter solche des . Jahrhunderts, aus Kloten, die dort gefunden worden waren, entweder aus dem Bereich einer der bekannten Gutshöfe (namentlich Kloten-Aabühl) oder aus der Gegend des Kastells. Die Münzen wurden Vadian nicht etwa zugesandt, weil er als Altertumsforscher bekannt war, sondern in seiner Eigenschaft als Inhaber eines Zehntenanteils in Kloten! Der Zins in Kloten war ihm von seinem Schwiegervater Jakob Grebel vermacht worden; die Familie Grebel hatte den Zehnt im Jahr erworben. Bezeichnenderweise wissen wir nichts über das weitere Schicksal der Vadian zugesandten Münzen. Auch wenn Vadian in St.Gallen offenbar nach wie vor keine Münzen besass, interessierte er sich doch für Münzsammlungen und Sammler, wie aus einem Brief vom . April von Hans Jakob Hafner aus Bregenz hervorgeht. Hafner berichtet, dass er den Wunsch Vadians nach dem Namen der beiden Besitzer einer Sammlung von Münzen habe eruieren können. Der eine lebe in Wagegg, der andere in der Nähe von Ravensburg. Durch seine Studien zur Geschichte der Abtei St.Gallen und der Bodenseeregion erkannte Vadian zunehmend den antiquarischen Wert von Münzen als Quelle für die Frühgeschichte und machte ihn für sich nutzbar. Nach wie vor entwickelte er aber kein Interesse an den Münzen selbst. Sie waren für ihn Material zur Interpretation, kein Sammelgut. Mit Münzen als Realien konnte er dagegen gut umgehen. Vadians Antwort auf einen Brief von Bullinger aus den er-Jahren, mit dem Bullinger Vadian antike Münzen geschickt hatte, enthält recht genaue Bestimmungen
Vgl. dazu Bettina Hedinger, Zur römischen Epoche im Kanton Zürich, in: Archäologie im Kanton Zürich –, Zürich u. Egg (Berichte der Kantonsarchäologie Zürich ), S. –, hier S. , und . Rütiner, Textband ,, S. , Nr. : Vadiano numismata vltra de Clotha prope Tigurum missi quae ibidem effodiuntur plurima. Quia decimas habet a socero haereditate acceptas. Zu Jakob Grebel vgl. Conradin Bonorand, Personenkommentar III zum Vadianischen Briefwerk, St.Gallen (Vadian-Studien ), S. –. Vgl. dazu Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich, Bd. : –, bearb. von Peter Niederhäuser, Zürich , Nr. (. Nov. ) und Nr. (. Dez. ). Vadianische Briefsammlung V, S. , Nr. . Leider wissen wir nicht, weshalb Vadian sich bei Hafner nach diesen Namen erkundigte; zeitlich könnte es sich um Vorarbeiten zu seiner Beschreibung des oberen Bodensees gehandelt haben (vgl. oben Anm. und ).
nahezu aller, auch der griechischen Münzen. Auch am Beispiel der ‚Commentationes’ von Rütiner liess sich zeigen, dass Vadian Münzen ohne Anstrengung bestimmen und einordnen konnte, während Kessler und seine Freunde lange daran herumrätselten. Vadian, Tschudi und die Numismatik im . Jahrhundert Wo Vadian mit seinen numismatischen Interessen und Kenntnissen in seiner Zeit etwa stand, lässt sich am besten im Vergleich mit einem etwas jüngeren Zeitgenossen, dem Polyhistor und Politiker Aegidius Tschudi, beurteilen. Vadian und Tschudi: Zwei Zugangsweisen Tschudi war im Gegensatz zu Vadian ein humanistisch gebildeter Autodidakt ohne Universitätsstudium und ohne vergleichbares Beziehungsnetz gelehrter Freunde. Dennoch fällt es auf, um wieviel gezielter Tschudi im Rahmen seiner chronologischen und antiquarischen Studien die Numismatik betrieb. Nicht nur sein Münzbuch, sondern auch die verschiedenen Kollektaneen zeigen den Willen, den Münzstoff selbstständig zu ordnen und zu gliedern. Die Beschäftigung mit den Münzen steht zudem in enger Verbindung mit epigraphischen Studien, die Tschudi auch vor Ort in Südfrankreich und auch in Italien betrieb. Tschudi besass zudem eine Münzsammlung, die für seine Zeit eine beachtliche Grösse hatte. Während wir bei Tschudi also von einer profunden Beschäftigung mit Numismatik reden können – allerdings eingebettet in seine systematischen Studien und Vorarbeiten zur Chronistik – bleibt es im Falle von Vadian,
Vgl. oben Anm. . Zäch, Tschudi (wie Anm. ). Betr. Tschudis Bildungshintergrund vgl. Bernhard Stettler, Tschudi-Vademecum: Annäherungen an Aegidius Tschudi und sein «Chronicon Helveticum», Basel (QSG, N.F. I/: Chronicon Helveticum, Hilfsmittel, . Teil), S. –. Stiftsbibliothek St.Gallen, Cod. ; vgl. dazu Zäch, Tschudi (wie Anm. ), S. –. Zäch, Tschudi (wie Anm. ), S. –, –. Zu Tschudis epigraphischen Studien vgl. zuletzt Nathan Badoud, La Table claudienne de Lyon au XVIe siècle, in: Cahiers Glotz , , S. – (den Hinweis verdanke ich Christian Sieber). – Ausserdem: Salomon Vögelin, Aegidius Tschudis epigraphische Studien in Südfrankreich und Italien. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Humanismus, Zürich (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich /). Zäch, Tschudi (wie Anm. ), S. –. Vgl. dazu Stettler, Tschudi-Vademecum (wie Anm. ), S. –: «Tschudi als Systematiker».
alles in allem, bei einer gelehrten Nebenbeschäftigung. Dennoch entdeckte Vadian im Zuge seiner historischen Studien zur Abtei St.Gallen zunehmend den Quellenwert von Münzfunden und die Bedeutung der Münzgeschichte, nicht nur in Form der zeitgenössischen Münzpolitik, die er als Ratsmitglied auf städtischer Ebene mitgestaltete, sondern auch als Mittel der Legitimierung und Ausübung von Herrschaft und Teil städtischen Selbstverständnisses. Zwei Generationen Es gilt bei der Beurteilung der Stellung Vadians im zeitgenössischen Umfeld noch etwas zu bedenken. Tschudi startete zwar, was seine persönliche Bildung betraf, von einer schlechteren Ausgangslage als Vadian, aber als er in den er-Jahren seine Sammel- und Forschungstätigkeit aufnahm, traf er, was die Erforschung der Antike, besonders der Sachgüter, betraf, auf wesentlich bessere Voraussetzungen als Vadian zwanzig Jahre zuvor. Als Vadian seine Studien in Wien absolvierte, gab es noch so gut wie keine numismatische Literatur. Budés Werk erschien erstmals und war philologisch geprägt. Trotz seiner immensen Wirkung wurde es bald von einer anderen, erfolgreicheren Variante von Werken überholt, die sich ganz auf die Ikonographie der Münzbilder und die Verzeichnung der Münzen konzentrierten.
Noch in einer seiner letzten Schriften, dem ungedruckt gebliebenen Alterswerk ‚Vom Mönch- und Nonnenstand und seiner Reformation’ (), rückt Vadian die Sorge um die gute und währschafte möntz als Aufgabe der geistlichen Herrschaft in den Vordergrund; Vadian, Mönch- und Nonnenstand, S. f. und . Vgl. Vadians ausführliche Wiedergabe des Münzvertrags von (UBSG Bd. , S. –, Nr. ) in der Kleineren Äbtechronik (Vadian, Chronik, Bd. , S. –) mit dem Hinweis auf das Aussehen der Münzen, die man noch sicht, und der charakteristischen Schlussbemerkung: Und ist domalen vil eerlicher gemönzt worden, dan man ° ietzmal möge, von wegen daß das silber in so hochem gelt und das mönzen zu einem genieß und einer kaufmanschaft geraten ist. – Zum Umfeld dieses Vertrages vgl. Benedikt Zäch, Zum Beginn der Münzprägung der Stadt St.Gallen, in: Schweizer Münzblätter (), S. –, hier S. –. Was etwa die Epigraphik betrifft, genügt der Hinweis, dass mit dem in Ingolstadt publizierten Werk von Petrus Apianus, ‘Inscriptiones sacrosanctae vetustatis ...’ die erste gedruckte Inschriftensammlung vorlag, nachdem zuvor – – Beatus Rhenanus auf einige Inschriften der Schweiz zumindest hingewiesen hatte; Regula Frei-Stolba, Früheste epigraphische Forschungen in Avenches: Zu den Abschriften des . Jahrhunderts, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte (), S. –, hier S. f. – Vadian besass zwar das Werk (Bibliotheca Vadiani, S. , Nr. ), aber es zeigt bezeichnenderweise keine Bearbeitungsspuren, vgl. dazu auch Beitrag Christian Sieber, unten S. @@@ mit Anm. . John Cunnally, Images of the Illustrious: The Numismatic Presence in the Renaissance, Princeton .
Den Anfang machte Andrea Fulvio mit den ‚Illustrium imagines’, dem ersten numismatischen Werk mit Abbildungen, die Herrscherporträts in Form von medaillonartigen Holzschnitten zeigten. Seit den er-Jahren nahm die numismatische Publikationstätigkeit sprunghaft zu. Zu diesem Zeitpunkt war aber Vadian bereits zu absorbiert von den Alltagsgeschäften der Politik und später seinen historischen Studien, um sich noch auf dem laufenden halten zu können oder zu wollen. Erst nach der Jahrhundertmitte, also nach Vadians Tod, erschienen die ersten Sammlungskataloge und Versuche, das ganze Münzmaterial in seinem Umfang abzuschätzen und vorzulegen. Es ist also auch eine Generationsfrage, dass Vadian, mehr noch als Tschudi, den grossen Entwicklungssprung in der numismatischen Forschung des . Jahrhunderts nicht mehr mitmachen konnte.
Cunnally, Images (wie Anm. ), S. –. Dekesel, Bibliotheca nummaria (wie Anm. ), S. XL (–: Werke; –: Werke; –: Werke; –: Werke). R.-Alföldi, Antike Numismatik (wie Anm. ), S. : Der kaiserliche Leibarzt Wolfgang Lazius schätzte um die Anzahl der zu greifbaren – und zu verzeichnenden – antiken Münzen auf rund ’ Stück; Hubert Goltzius (–), der «Vater der Numismatik», besichtigte für seine Werke Hunderte von europäischen Sammlungen.