Prägedarstellungen und Münzstempel in der Schweiz: Literatur und Forschungsstand more

In: Conii e sceni di coniazioni, a cura di Lucia Travaini e Alessia Bolis, Rom 2007, S. 345–356.

Benedikt Zäch Prägedarstellungen und Münzstempel in der Schweiz: Literatur und Forschungsstand Aus der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schweiz sind recht viele Bild- und Sachquellen zur Münzherstellung überliefert. Unter den Bildquellen sind hauptsächlich zwei Gruppen von Kunstwerken zu nennen: zum einen die Bilderchroniken des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts1, zum andern die Glasgemälde, eine Kunstform, die in der Schweiz eine lange Tradition besass und ab etwa 1500 eine besondere Blüte erlebte2. Hinzu kommen herausragende Einzelobjekte wie der Berner «Steiger»-Becher, den Daniel Schmutz in einem separaten Beitrag behandelt3. Zu den Sachquellen gehören in erster Linie die Münzstempel und andere Münzwerkzeuge. Für eine umfassende Behandlung dieser Quellen fehlt es bisher an ausreichenden Vorarbeiten. Hier kann deshalb nur ein kurzer Überblick zur vorhandenen Literatur und zum Forschungsstand gegeben werden. Er orientiert sich an den eben skizzierten Quellengruppen. Bilderchroniken Die umfangreichen illustrierten Chronikhandschriften des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts sind eine spezifische Form der repräsentativen Geschichtsschreibung der eidgenössischen Orte. Zumeist von den Räten der städtischen Gemeinwesen, vor allem Bern, Zürich und Luzern, in Auftrag gegeben oder zumindest diesen gewidmet, dienen sie der Identitätssuche und 1 2 3 Vgl. dazu Pfaff 1991 (mit weiterführender Literatur). Vgl. dazu Kurmann, Schwarz 1996. D. Schmutz, Die Darstellung einer Münzstätte auf dem «Steigerbecher» im Historischen Museum Bern, supra pp. 331-338. 342 Benedikt Zaech Identitätskonstruktion der eidgenössischen Führungsschicht4. Zum erzählerischen Element der Chronik gesellt sich das bildliche Element, das nicht Illustration des Erzählten ist, sondern den Blick auf die eigene Geschichte bildlich vergegenwärtigt. Dieser Zug verleiht den Chronikillustrationen einen hohen Wert als Bildquellen zum Selbstverständnis und lebensweltlichen Umfeld der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Schweiz. Obwohl dieser kulturgeschichtliche Wert der Bilderchroniken von der Forschung seit einiger Zeit erkannt ist, fehlt es immer noch an spezifisch ikonographischen und realienkundlichen Untersuchungen, was sich auch auf die Interpretation der münzgeschichtlich relevanten Bilder auswirkt5. Von den zwei bekannten Darstellungen des Inneren von Münzstätten ist die ältere auch die detailliertere: Sie stammt aus der sog. «Spiezer» Chronik des Diebold Schilling, einer Schweizerchronik, die der Berner Chronist in seinen beiden letzten Lebensjahren 1484/85 verfasste und selbst illustrierte6. Dargestellt ist eine Münzstätte des späteren 15. Jahrhunderts7, obschon sich der zugehörige Text auf eine Episode der NeuKyburger Münzprägung des früheren 14. Jahrhunderts bezieht [caSPar 1974, No. 7]8. Wir erhalten einen äusserst genauen Einblick in eine spätmittelalterliche Münzwerkstatt; es liegt nahe, dass Diebold Schilling Einblick in die Berner Münzstätte hatte. Die bisher ausführlichste realienkundliche Interpretation dieser am häufigsten abgebildeten Illustration der «Spiezer Chronik» wurde von Peter Kaiser versucht9. Die zweite Darstellung stammt aus der Luzerner Chronik des Diebold Schilling von 1513; der Verfasser war ein gleichnamiger Neffe des Berner Diebold Schilling10. Hier wird ein Einblick in die Münzstätte Bellinzona 4 5 Vgl. dazu Bodmer 1976; heSSe 1988. Die bisher gründlichste Analyse dazu liegt zur «Spiezer» Schilling-Chronik vor: KaiSer 1991. 6 Burgerbibliothek Bern, Mss. hist. helv. I,16, S. 222. 7 Edition: haeBerli, von Steiger 1991, nach S. 20 (Farbabbildung), S. 241 (Schwarzweiss-Abb. mit Kommentar). 8 haeBerli, von Steiger 1991, S. 487 Nr. 140: «Daß die herren im lande [die Grafen von Kyburg] wider die von bernn valsch múntz sluogent»: es geht um das 1328 vom Kaiser Ludwig dem Bayern den Grafen von Kyburg verliehene Münzrecht, das diese in Burgdorf auch ausübten, was als Schädigung der Berner Münze betrachtet wurde. 9 KaiSer 1991, S. 126-128. Eine kurze Erläuterung der Abbildung auch bei caSPar 1974, S. 14 und zäch, von Kaenel 1986, S. 31f. 10 Zentralbibliothek Luzern, Depositum Korporationsgemeinde Luzern, Hs. S. 23 fol., fol. 289v. Prägedarstellungen und Münzstempel in der Schweiz 343 gegeben [caSPar 1974, No. 8]11; sie wurde von den drei eidgenössischen Orten Uri, Schwyz und Unterwalden ab 1503 betrieben12. Im Gegensatz zur Spiezer Chronik ist die Münzherstellung selbst (Prägung, Vorbereitung der Zaine) in den Vordergrund gerückt13; der Detailreichtum ist, verglichen mit dem Bild aus der Spiezer Chronik, geringer. Glasgemälde Mit den Schweizer Glasgemälden, die Darstellungen zur Münzproduktion zeigen, hat sich zuletzt Stefan Trümpler ausführlich befasst14. Alle diese Glasscheiben wurden in den 1560er Jahren mit einer Ausnahme für Münzmeister hergestellt und zeigen verschiedene Arbeitsgänge einer noch nicht mechanisierten Münzherstellung. Es handelt sich im einzelnen um vier Scheiben: a) Glasgemälde für Jakob Ulrich (von Solothurn?), 1561. Darstellungen verschiedener Phasen der Münzproduktion im Oberlicht15. Als Empfänger der Scheibe, die stilistisch eng mit Arbeiten eines Solothurner Glasmalers verwandt ist, vermutet Trümpler «Jakob den Münzer»16, der nach Kunzmann 1577 in Solothurn belegt ist17. 1561 bis 1564 ist aber Ysaac Lengenfelder als Solothurner Münzmeister nachgewiesen, kein «Jakob»18. Bei Jakob Ulrich, der auf der Scheibe u.a. als «Hauptmann» bezeichnet wird, dürfte es sich um ein (Solothurner?) Ratsmitglied handeln. b) Glasgemälde von Andreas Hör für Onofrius Wonlich, Münzmeister in Luzern, 1568. Darstellungen verschiedener Phasen der Münzproduktion im Oberlicht19. Der Empfänger Onofrius Wonlich war Münzmeister in Solothurn 11 12 13 14 15 16 17 18 Edition: Schmid 1981, Vorspann (Farbreproduktion) und S. 450. Vgl. dazu chieSa 1991. caSPar 1974, S. 14. trümPler 1996. trümPler 1996, S. 50-51, S. 66 Abb. 3. trümPler 1996, S. 50 Anm. 4. Kunzmann 1987, S. 71 unter Berufung auf Simmen / HMZ 1972, S. 13 (Ratsmanuale). Kunzmann 1987, S. 84. 19 trümPler 1996, S. 50-51, S. 67 Abb. 4. 344 Benedikt Zaech (1556?), Luzern (1567-76) und für die Abtei Murbach und Lüders in Gebweiler (1574-78?)20. Die Bilderfolgen zur Münzherstellung in den beiden Scheiben von Ulrich und Wonlich scheinen sich zu ergänzen, auch wenn die wichtigsten Arbeitsschritte auf beiden Scheiben erscheinen. Trümpler führt dies auf gemeinsame Vorlagen zurück21. c) Glasgemälde eines Konstanzer(?) Glasmalers für Werner Zentgraf, Münzmeister in Schaffhausen, 1563. Diese heute im Schweizerischen Landesmuseum Zürich befindliche Scheibe, ein Ankauf aus dem Kunsthandel, wurde vor Trümpler bereits von Hans-Ulrich Geiger ausführlich auf ihren Inhalt untersucht22. Ein grosses Mittelfeld mit dem Wappen von Zentgraf wird umrahmt von einer Bildfolge, die verschiedene Phasen der Münzherstellung zeigt23 – ein ungewöhnliches Bildschema, das andeutet, dass die Scheibe, wie ihr Gegenstück von 1565 (siehe unten d), nach speziellen Wünschen des Auftraggebers angefertigt wurde. Zentgraf war der Sohn eines Konstanzer Münzmeisters, übte ab etwa 1550 dasselbe Amt in Schaffhausen aus und war daneben für die Münzstätten Breisach, Colmar und Freiburg i.Br. tätig24. d) Glasgemälde der Werkstatt Lang(?) für Werner Zentgraf, Münzmeister in Schaffhausen, 1565 [caSPar 1974, No. 31]. Die im Berliner Münzkabinett befindliche Scheibe, die schon mehrfach in der Literatur behandelt wurde25, besteht aus acht in drei Stockwerken angeordneten Bildern, die alle wichtigen Arbeitsschritte bei der Münzproduktion zeigen; ein neuntes Bildfeld in der Mitte des untersten Stockwerks enthält ein religiöses Motiv. Weil bei dieser Scheibe deutlich zwei Hände feststellbar sind, vermutet Trümpler, dass sie in der Schaffhauser Werkstatt Lang durch Vater Hieronymus und Sohn Daniel herge20 21 22 23 Kunzmann 1987, S. 157. trümPler 1996, S. 51. geiger 1967. Die Abfolge der einzelnen Bilder ist nicht ganz eindeutig, da die Scheibe in Einzelteilen und unverbleit angekauft und erst durch das Museum zusammengesetzt wurde - vermutlich nicht ganz korrekt, wie verschiedene Ungereimtheiten zeigen: trümPler 1996, S. 52-54. 24 Kunzmann 1987, S. 161. 25 demmler, von Schrötter 1933; walther 1939, S. 139-144; caSPar 1974, S. 23 u. S. 70 Abb. 31; cooPer 1988, S. 35-37 mit Abb. 32; emmerig 2006, S. 85-91. Prägedarstellungen und Münzstempel in der Schweiz 345 stellt wurde26. Während die Zentgraf-Scheibe von 1563 vermutlich nicht nur in Konstanz hergestellt, sondern auch dorthin gestiftet wurde, dürfte die Scheibe von 1565 für Zentgraf selbst bestimmt gewesen sein. Zu diesen Beispielen des 16. Jahrhunderts lässt sich noch eine Konstanzer Scheibe aus dem 1620er-Jahren anfügen, die im Rosgarten-Museum in Konstanz aufbewahrt wird [caSPar 1974, No. 32] und in der Literatur ebenfalls verschiedentlich behandelt wurde27. Sie besteht aus neun beschrifteten, zu grossen Teilen erhaltenen Bildern und verschiedenen Fragmenten, die zu mindestens zwei weiteren Bildern gehören28 und zeigt einen bereits mechanisierten Prozess der Münzherstellung: der Silberzain wird auf einem Streckwerk ausgewalzt, die Schrötlinge werden ausgestanzt und die Münzen mit einer Spindelpresse geprägt. Prägewerkzeuge In den verschiedenen historischen Museen und kantonalen Archiven haben sich zahlreiche, teils sehr umfangreiche Sammlungen von Prägewerkzeugen erhalten; der Schwerpunkt dieser Sammlungen liegt im 17. bis 19. Jahrhundert, vereinzelte Münzstempel gehen bis auf das Spätmittelalter zurück. Viele dieser Sammlungen sind bisher unzureichend aufgearbeitet, so dass keine genaue Übersicht über die vorhandenen Bestände möglich ist. Beim gegenwärtigen Forschungsstand können nur einige Hinweise ohne Anspruch auf Vollständigkeit gegeben werden, wobei Sammlungen von Medaillenstempeln weitgehend ausgeklammert bleiben29. 26 27 trümPler 1996, S. 59-61. mittmann 1928 (mit der Datierung 1624; die letzte Ziffer der Jahrzahl ist allerdings nicht mit Sicherheit bestimmbar); caSPar 1974, S. 24f. u. S. 71 Abb. 32; moSer, turSKy 1977, S. 123, 129, 137 (mit Farbabbildungen); trümPler 1996, S. 54-56, S. 68-69 Abb. 5 (Rekonstruktionsversuch der ursprünglichen Anordnung). 28 Trümpler vermutet, dass die Bildfolge aus ursprünglich zwölf, in drei Bahnen zu vier Darstellungen angeordneten Bildern bestand. 29 Neben den unten erwähnten Sammlungen von Basel, Bern und Zürich, die jeweils auch eine grössere Anzahl Medaillenstempel enthalten, sind besonders die Bestände in Neuchâtel (Cabinet de numismatique, Musée d’art et d’histoire: 665 Stempel und 185 Punzen der Fir- 346 Benedikt Zaech Von vier Stempelsammlungen existieren immerhin mehr oder weniger vollständige Kataloge. Bereits 1892 legte H. Caviezel einen Katalog der damals 128 Prägestempel und Prägewalzen im Rätischen Museum in Chur vor; die meisten der Stempel aus der Münzstätte Haldenstein hatte er kurz zuvor durch Ankauf vor der Vernichtung gerettet und dem Museum geschenkt30. Dazu gehörten offenbar auch Stempel von Imitationen und/oder Falschmünzen31. Heute befinden sich im Münzkabinett des Rätischen Museums in Chur 144 Münzstempel der Prägestätten Haldenstein und Chur (Bischof, Stadt und Kanton), davon 44 aus der Prägestätte Chur32. 1975 verfasste Edwin Tobler einen Katalog der insgesamt 68 Prägewerkzeuge (Stempeleisen und Punzen) für Münzen von Appenzell-Innerrhoden33. 1980 veröffentlichte Verena Villiger einen Kurzkatalog der 297 Prägestempel und Punzen in Freiburg34. Wiederum Edwin Tobler hat schliesslich 1985 in einer Monographie die Luzerner Sammlung von Stempeln und Punzen mustergültig vorgelegt35. Darin sind nicht nur die 574 Münz- und Medaillenstempel katalogisiert, sondern auch die 80 Punzen; das Buch enthält zudem verschiedene Einzeluntersuchungen, etwa zur Verwendung der Punzen. Von der insgesamt 1113 Prägewerkzeuge zählenden Sammlung im Münzkabinett des Historischen Museums Bern36 liegen zwei Teilkataloge zu Prägewerkzeugen, nämlich den Medaillenstempeln der sog. «Sechma Paul Kramer in Neuchâtel und 1802 Stempel sowie 1448 Punzen der Firma Hugueni in, Le Locle; die Angaben verdanke ich Gilles Perret, Cabinet de numismatique, Musée d’art et d’histoire, Neuchâtel) und Genf (Cabinet de numismatique, Musée d’art et d’histoire: v.a. Genfer Medaillen) besonders wichtig. Daneben besitzt etwa das Münzkabinett Winterthur eine kleine Sammlung von 16 Stempeln der Medailleure Johann und Friedrich Aberli: zäch 1996, bes. S. 131-136 (Medaillenverzeichnis). 30 caviezel 1892. 31 caviezel 1892, S. 33f. Nr. 121-126. 32 mühlemann 2004, hier S. 68. 33 toBler 1975. Auch als separat Veröffentlichung: hilterfingen 1975. Es handelt sich um einen Katalog der im Historischen Museum Appenzell und im Staatsarchiv Obwalden befindlichen Stempel. - Dazu die Neuerwerbung eines Münzstempels, der sich zuvor im Augustinermuseum Freiburg i.Br. befand: toBler 1991. 34 villiger 1980. 35 toBler 1985. 36 Der Bestand setzt sich zusammen aus 795 Stempeleisen zu Berner Münzen, 183 Stempeleisen zu Berner Medaillen, 22 Stempeleisen zu Schweizer Münzen sowie 112 diversen Stempeleisen und Prägewerkzeugen; alle Zahlenangaben verdanke ich Daniel Schmutz, Münzkabinett, Bernisches Historisches Museum, Bern. Prägedarstellungen und Münzstempel in der Schweiz 347 zehnerpfennige» des 17. und 18. Jahrhunderts, vor37. Im Münzkabinett des Historischen Museums Basel werden rund 500 Münz- und Medaillenstempel aufbewahrt; hinzu kommen rund 350 Medaillenstempel des Basler Medailleurs Hans Frei (1868-1948)38. Dieser Bestand ist nicht veröffentlicht, wurde aber in der Literatur verschiedentlich herangezogen39. Eine durch Publikationen bekannte, aber bisher nicht erschlossene Sammlung von Prägewerkzeugen liegt auch im Münzkabinett des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich40. Sie umfasst etwa 300 Stempel für Zürcher Münzen und Medaillen41, etwa 70 Stempel für andere Schweizer Münzen und Medaillen sowie etwa 80 Medaillenstempel aus dem Nachlass des Schwyzer Medailleurs Johann Carl Hedlinger42. Aus der ehemaligen Solothurner Münzstätte stammen die 572 Münzstempel, die sich heute im Museum Altes Zeughaus in Solothurn befinden43. Das Musée d’art et d’histoire in Neuchâtel besitzt rund 250 Münzstempel und Punzen vom späten 16. bis frühen 19. Jahrhundert aus der Neuenburger Münzstätte sowie etwa 100 Stempel und Punzen von Neuenburger Stempelschneidern44; darunter befindet sich der einzige Beleg für einem Walzenprägestempel in der Westschweiz45. Einzelne Münzstempel aus der Prägestätte der Bischöfe von Sitten werden im Kantonalen Münzkabinett in Sitten aufbewahrt46 und auch das Cabinet de numismatique 37 38 39 Koenig 1989; PlanKl, Schmutz 2000, bes. 48-50 (Stempel). Schärli 1994, hier S. 29; Zu Hans Frei vgl. aePPli 1933. Vgl. winterStein 1977, S. 33ff. (Katalog) passim; Barth 1989, S. 52-64; Schärli 1992, hier S. 104 Abb. 5 und 7 (Basler Rappen des 18. Jh.). 40 Die Zahlenangaben dazu verdanke ich Hortensia von Roten, Münzkabinett Schweizerisches Landesmuseum, Zürich. 41 Vgl. dazu meyer von Knonau 1854 (erster Hinweis auf die damals noch im Zürcher Staatsarchiv befindliche Sammlung von Zürcher Münzstempeln); G. meyer von Knonau, «Anzeiger für kunde der deutschen vorzeit», N.F. 3, 1856, No. 5, Sp. 143 und meyer 1858, S. 43 mit Anm. * (Beschreibung eines Pfennigstempels aus dem 15. Jh.); zäch, von Kaenel 1986, S. 29 Abb. 56 und S. 31 Abb. 58 (Abbildungen von insgesamt sechs Zürcher Münzstempeln des 15.-19. Jahrhunderts). 42 felder 1978. 43 Kdm SO I, S. 24. 44 Die Angaben verdanke ich Gilles Perret, Cabinet de numismatique, Musée d’Art et d’Histoire, Neuchâtel. - Vgl. auch demole, wavre, montandon 1939, Tafel nach S. 192, Tafel nach S. 224 und Tafel XVI. 45 demole, wavre, montandon 1939, Tafel nach S. 192: Écu 1632. 46 elSig 1993, S. 28-29 m. Abb. 12 und 13. 348 Benedikt Zaech des Musée d’art et d’histoire in Genf besitzt Münzstempel aus der Genfer Münzstätte47. Nur wenige dieser Stempel gehen ins Mittelalter zurück. Während in Basel 11 Stempel zu Reichsgoldgulden des 15. Jahrhunderts vorhanden sind48 und das Museum für Kunst und Geschichte in Freiburg i.Üe. immerhin 24 mittelalterliche Münzstempel aus dem 15. Jahrhundert besitzt49, ist in Bern kein einziger mittelalterlicher Münzstempel überliefert50, in Zürich vermutlich nur zwei. Umso erstaunlicher ist daher, dass sich aus der kleinen Zofinger Münzstätte gleich sieben mittelalterliche Münzstempel erhalten haben51. Neben bekannten Verlusten – in St. Gallen wurden 1841 alle Münzstempel der Prägestätte im Regierungsgebäude, immerhin mehrere hundert Stück, in einer Aufräumaktion «in Beisein amtlichen Personals» zerstört52 – sind bis heute auch Neufunde zu verzeichnen, die manchmal Wiederentdeckungen sind. In Laufenburg im Kanton Aargau ist kürzlich ein im 19. Jahrhundert erwähnter53 und zwischenzeitlich verschollener54 Münzstempel wieder aufgetaucht, der bei der kurzzeitigen Münzprägung 1622/23 verwendet worden war55. Desiderata Die Aufarbeitung der grösseren und kleineren Sammlungen an Prägewerkzeugen ist das wichtigste Desiderat. Es gibt bisher keine Übersicht über das Vorhandene und einige der grössten Bestände, namentlich diejenigen in Bern, Basel und Zürich sind noch nicht im Detail erschlossen, wenn auch meist inventarisiert. Auch die Solothurner Stempelsammlung 47 48 49 50 Vgl. leScaze, de rivaz, camPagnolo 1999, S. 59 Abb. 5-6. winterStein 1977, Nr. 1, 4, 8, 13, 14, 21, 25, 87, 95, 97 und 104. villiger 1980, S. 99 Nr. 1-24. Nach Auskunft von Daniel Schmutz, Münzkabinett, Bernisches Historisches Museum, Bern. 51 fedel 2004, hier S. 20. 52 Neben den Münzstempeln der kantonalen Münzprägung ab 1807 dürften auch solche der Münzprägung der Stadt vor 1798 darunter gewesen sein: ehrenzeller 1842, S. 145. 53 münch 1874, hier S. 385 Nr. 46 mit Anm. 74. 54 zäch 1990, hier S. 13. 55 Mdl. Mitteilung Dr. Hans J. Köhler, Museumsverein Laufenburg (September 2006). Prägedarstellungen und Münzstempel in der Schweiz 349 wurde zwischen 1986 und 1990 inventarisiert und konserviert. Die vorbildlichen Publikation der Luzerner56 und Appenzeller57 Prägewerkzeuge und auch der Freiburger Katalog haben58 bisher keine Nachfolger gefunden. Eine solche Aufarbeitung wäre auch über die einzelne Prägestätte hinaus von Bedeutung, befinden sich doch in den Sammlungen nicht nur Münzstempel der lokalen Münzprägung, sondern oft auch solche für fremde Münzen, die dort hergestellt wurden59. Auch nichtschweizerische Sammlungen müssen hier berücksichtigt werden: so wurden die letzten Zürcher Münzen ab 1842 in Stuttgart geprägt und dort befinden sich bis heute zugehörige Stempel60. Zu den Prägedarstellungen auf Glasgemälden liegt mit der Arbeit von Stefan Trümpler eine gute vergleichende Untersuchung vor61. Sie macht deutlich, dass bei solchen Quellen neben der Realienkunde auch der kunstgeschichtliche Kontext und sogar die Überlieferungsgeschichte des Werks mit einbezogen werden muss, um zu einer tragfähigen Interpretation zu kommen. Eine ähnliche, an diesem Ansatz orientierte Untersuchung ist im Falle der Darstellungen aus den Bilderchroniken noch zu leisten. Der Versuch von Peter Kaiser am Beispiel der «Spiezer» Chronik des Diebold Schilling bietet dafür eine gute Grundlage62. BiBliograPhie aePPli H. 1933, Der Schweizer Medailleur Hans Frei, Basel. Barth U. 1989, Historisches Museum Basel, Schätze der Basler Goldschmiedekunst 14001989, 700 Jahre E.E. Zunft zu Hausgenossen, Ausstellung in der Barfüsserkirche 20.5-2.10.1989, Heft I: Katalog der ausgestellten Werke, Basel. Bodmer J.-P. 1976, Chroniken und Chronisten im Spätmittelalter, (Monographien zur Schweizer Geschichte, Bd. 10), Bern. 56 57 58 59 toBler 1985. toBler 1975. villiger 1980. So prägten im 18. und 19. Jahrhundert die Münzstätten Solothurn und Bern für eine ganze Reihe anderer Orte. 60 Klein 1980, bes. S. 114-116: 10 Patrizen, Matrizen und Prägestempel von 1- und 2-RappenStücken. 61 trümPler 1996. 62 KaiSer 1991. 350 Benedikt Zaech caSPar H. 1974, In meiner Müntz schlag ich gericht…: Münztechnik auf historischen Bilddokumenten, (Numismatische Beiträge, Sonderheft, 1), Berlin. caviezel H. 1892, Verzeichnis der im raetischen Museum zu Chur aufbewahrten MünzPräge-Stempel-Stöcke und Walzen (Cylinder), «SNR», 2, S. 14-35. chieSa F. 1991, La zecca di Bellinzona, Bellinzona. cooPer D.R. 1988, The Art and Craft of Coinmaking: A History of Minting Technology, London. demmler th., von Schrötter f. 1933, Das Glasgemälde der Schaffhauser Münzstätte von 1565, «Jahrbuch der preussischen Kunstsammlungen», 54, S. 255-261. demole e., wavre w., montandon l. 1939, Histoire monétaire de Neuchâtel, Neuchâtel. ehrenzeller P. 1842, St. Gallische Jahrbücher 1835-1841, St. Gallen. elSig P. 1993, Une histoire de «petits» sous: La monnaie en Valais, Sion. emmerig H. 2006, Die Münzstätte in Mittelalter und früher Neuzeit: Personal, Ausrüstung, Tätigkeiten, «Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft», 46, No. 2, S. 81-94. fedel L. 2004, Schweizer Münzsammlungen präsentieren ihre Hauptstücke: Die Münzsammlung des Museums Zofingen, «Numis-Post & HMZ», 37, No. 9, S. 19-20. felder P. 1978, Medailleur Johann Carl Hedlinger, 1691-1771: Leben und Werk, Aarau/Frankfurt a.M. geiger H.-U. 1967, Eine unbekannte Glasscheibe des Schaffhauser Münzmeisters Zentgraf von 1563, «SM», 17, No. 67, S. 111-114. haeBerli h., von Steiger ch. 1991 (eds.), Die Schweiz im Mittelalter in Diebold Schillings Spiezer Bilderchronik. 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